Marco Baur ist promovierter Jurist mit langjähriger Erfahrung im Finanz- und Versicherungswesen. Als externer Kooperationspartner begleitet er Klientinnen und Klienten von Huber & Bruderer in juristischen und mediatorischen Fragen – von Vorsorgeauftrag und Testament bis zu Erbschaftsregelungen und Konflikten zwischen Unternehmenspartnern. Im Gespräch erklärt er, was Mediation mit Finanzberatung zu tun hat, und warum menschliche Beratung entscheidende Vorteile hat.
Erst wenn die eigentlichen Interessen auf dem Tisch liegen, lässt sich eine Lösung finden, die für alle gut ist.
Marco Baur
Was hat Sie an der Zusammenarbeit mit Huber & Bruderer gereizt?
Finanzplanung und juristische Fragen sind bei bestimmten Lebensthemen kaum trennbar. Wer sich mit Nachlassplanung befasst, stösst zwangsläufig auf Testament und Vorsorgeauftrag. Wer eine Unternehmensübergabe begleitet, muss die rechtlichen Strukturen verstehen. Huber & Bruderer begleiten ihre Klientinnen und Klienten über Jahre, oft in grossen Lebensphasen: Pensionierung, Nachfolge, Erbschaft. Genau in diesen Momenten tauchen fast immer auch juristische Fragen auf. Hier kann ich etwas beitragen.
Für viele liegen Mediation und Finanzberatung weit auseinander. Wo sehen Sie die Verbindung – und wie arbeiten die Bereiche in der Praxis zusammen?
Nehmen wir eine typische Situation: Zwei Geschwister sitzen nach dem Tod der Eltern am Tisch. Die eine will das Elternhaus behalten, der andere fordert seinen Anteil in bar. Auf den ersten Blick sieht das aus wie ein Streit über Geld. Dahinter liegen aber vielleicht Angst vor Ungleichbehandlung oder alte Verletzungen. Mediation hilft beiden Parteien, diese dahinterliegenden Bedürfnisse, Interessen und Gefühle herauszuarbeiten und auszusprechen. Erst wenn die eigentlichen Interessen auf dem Tisch liegen, lässt sich eine Lösung finden, die für alle gut ist.
In der Finanzberatung funktioniert es ähnlich. Wer Klientinnen und Klienten wirklich gut beraten will, muss mehr kennen als ihre Ziele und Wünsche. Zum Beispiel die aktuelle Finanzsituation: Welche Verpflichtungen bestehen? Was wurde in der Vergangenheit entschieden, und welche Altlasten bestehen noch? Erst dieses vollständige Bild macht eine Empfehlung substanziell.
Gute Kommunikation ist dabei die Voraussetzung für alles andere. Wer klar erklärt, worum es geht, bekommt klare Antworten – und kann dann wirklich helfen.
Viele Menschen empfinden Themen wie Testament, Sorgerechtsverfügung oder Erbverzichtsvertrag als komplex oder unangenehm. Wie gelingt es Ihnen, Vertrauen aufzubauen?
Ich mache meinen Klientinnen und Klienten deutlich, worum es bei diesen Themen eigentlich geht: selbstbestimmt entscheiden, solange man es noch kann.
Ein Vorsorgeauftrag legt fest, wer im Fall von Urteilsunfähigkeit handeln darf und wie. Ein Testament klärt, was mit dem Vermögen geschieht. Wer beides geregelt hat, nimmt denen, die er liebt, eine enorme Last ab.
Das ist in aller Regel auch das Hauptbedürfnis meiner Klientinnen und Klienten: die persönliche Situation nach den eigenen Vorstellungen regeln, bevor andere darüber entscheiden müssen.
Wie gehen Sie vor, wenn innerhalb einer Familie oder zwischen Unternehmenspartnern unterschiedliche Erwartungen aufeinandertreffen?
Solche Situationen sind selten echte Konflikte. Meist treffen unterschiedliche Erwartungen aufeinander, und die Beteiligten haben bisher nur ihre Standpunkte verteidigt, weshalb sie zu keiner Einigung gekommen sind.
Hier setzt Mediation an. Es geht nicht mehr darum, die eigene Position zu behaupten, sondern darum, den Interessen dahinter auf den Grund zu gehen. Jede Partei bekommt den Raum, ihre Interessen zu formulieren und zu hören, was die anderen bewegt. Das schafft Verständnis und die Grundlage für gemeinsame, tragfähige Lösungen.
Durch die rasante Entwicklung von KI stellen sich viele die Frage, ob menschliche Beratung noch zeitgemäss ist. Wie sehen Sie das?
KI-Systeme sind ein mächtiges Werkzeug: Sie werten grosse Datenmengen aus, recherchieren Wissen und liefern Übersichten, die früher tagelange Arbeit erfordert hätten. Das ist wertvoll und wird künftig noch mehr Teil guter Beratung sein.
Aber wenn es um Emotionen geht, um Werte, Meinungen und individuelle Einschätzungen, dann stösst Technik an ihre Grenzen. Eine KI hat keine Meinung und keine Betroffenheit. Sie kann nicht mitfühlen. Sie handelt, wie sie programmiert wurde: präzise, effizient, und ohne das, was Beratung im Kern ausmacht.
Beratung ist eine zutiefst menschliche Stärke. Sie lebt von Vertrauen zwischen Menschen. Wir sind oft schon skeptisch gegenüber anderen Menschen. Wie sollte das einer Maschine gelingen?